DDR — Polen 3:1, Finale bei den Olympischen Spielen 1976

31. Juli 1976, 21.30 Uhr, 71.617 Zuschauer im Olympiastadion Montreal, Schiedsrichter: Ramón Barreto (Uruguay).

DDR

Jürgen Croy – Hans-Jürgen Dörner – Gerd Kische, Konrad Weise, Lothar Kurbjuweit – Reinhard Häfner, Reinhard Lauck, Hartmut Schade – Wolfram Löwe (68. Wilfried Gröbner), Hans-Jürgen Riediger (86. Bernd Bransch), Martin Hoffmann

Trainer: Georg Buschner

Polen

Jan Tomaszewski (19. Piotr Mowlik) – Henryk Wieczorek – Antoni Szymanowski, Władysław Żmuda, Henryk Wawrowski – Zygmunt Maszczyk, Kazimierz Deyna, Henryk Kasperczak – Grzegorz Lato, Andrzej Szarmach, Kazimierz Kmiecik

Trainer: Kazimierz Górski

Tore

1:0 Schade (7.)
2:0 Hoffmann (14.)
2:1 Lato (59.)
3:1 Häfner (84.)

Die Story des Spiels

Das einzige Mal, dass eine deutsche Fußball-Auswahl bei Olympia Gold holte – und das ganz ohne Stars aus der Bundesliga. Denn der Sieger bei den Olympischen Spielen 1976 in Montreal hieß Deutsche Demokratische Republik, die DDR also. Und dann auch noch gegen das damalige sozialistische „Bruderland“ Polen, die 1972 in München die Goldmedaille im Fußball gewonnen hatten und somit quasi „Titelverteidiger“ waren.

Die Qualifikation fürs Finale dieser Olympischen Spiele lief bei beiden Teams folgendermaßen ab.

Die DDR wurde in ihrer Vorrundengruppe A nur Zweiter hinter der Auswahl von Brasilien. Gegen diese erreichte man ein 0:0 im Auftaktspiel, anschließend siegte man mit 1:0 gegen Spanien, welches von Brasilien zuvor mit 2:1 bezwungen worden war. Das eigentlich ebenfalls dieser Gruppe zugeteilte Nigeria hatte zurückgezogen und auf eine Teilnahme in Kanada verzichtet. Somit musste das Torverhältnis entscheiden, wer Gruppenerster und wer -zweiter wurde. Das war Brasilien vor der DDR aufgrund der mehr erzielten Tore.

In ihrem ersten Viertelfinale siegte die DDR dann völlig klar und überlegen mit 4:0 gegen die Auswahl Frankreichs. Im Halbfinale bekam man es wie 1972 beim Spiel um Platz 3 mit der Sowjetunion zu tun. Wie damals war auch dieses Spiel ein recht ausgeglichenes, mit einem am Ende dann doch verdienten Sieger DDR, das mit einem 2:1 über die UdSSR ins Finale von 1976 einzog.

Die dort wartenden Polen hatten ihre Vorrundengruppe ebenfalls nur mit einem Sieg und einem Remis abgeschlossen. Auch in ihrer Gruppe C hatte der afrikanische, eigentlich qualifizierte Teilnehmer zurückgezogen, in diesem Fall war das Ghana. Zum Auftakt spielte Polen nur 0:0, auch gegen den fußballerisch eigentlich nicht so starken Iran setzte man sich nur knapp mit 3:2 durch. Da der Iran nur mit 1:0 gegen Kuba gewonnen hatte, entschieden wie bei der DDR die mehr erzielten Tore über den Gruppensieg, in diesem Falle aber zugunsten von Polen.

Das darauf folgende Viertelfinale gegen Norkorea gewannen die Polen aber mühelos und noch höher als die DDR ihres gegen Frankreich mit 5:0. Da lief die polnische Angriffsmaschinerie wie geschmiert. Im Halbfinale bekam es Polen dann mit Brasilien zu tun, das aber ebenfalls ohne Gegentor ausgeschaltet werden konnte. Hier lautete das Endresultat 2:0 für Polen. Polen war somit der zweite Teilnehmer am Finale von 1976

Finale der „Brüdernationen“

Somit kam es erneut im Finale zum Duell zweier sozialistischer Staaten, was natürlich auch daran lag, dass die Ostblock-Länder mit ihren besten Spielern antraten, das diese ihrem Verständnis nach weiterhin Amateure waren, was für die Profis der westlichen Nationen nicht galt.

Vor dem Spiel hätten die meisten bei ihren Wetten sicher eher auf die favorisierten Polen gesetzt. Doch es kam anders. Die DDR konnte bis auf Gerd Webner in Bestbesetzung antreten – und ging früh in Führung. Hartmut Schade brachte die Deutschen schon in der 7. Minute in Führung. Kurz darauf, in der 14. Minute folgte gar das 2:0 für die DDR durch Martin Hoffmann. Ein 2:0 wird selten im Fußball noch aus der Hand gegeben und so war es auch in diesem Finale. Zumal die DDR zunächst bis zur Pause noch weitere Chancen hatte und sogar noch höher hätte führen können.

Natürlich rannten die Polen ab der Halbzeit an, wie sie konnten, kamen auch zu vielen Torchancen oder zumindest -schüssen. Doch insgesamt hielt vor allem Libero Dörner seine Abwehr ganz ordentlich zusammen. So dauerte es bis zur 59. Minute, ehe die Polen durch den WM-Torschützenkönig von 1974, Grzegorz Lato, auf 1:2 verkürzen könnten. An diesem Tag und auf äußerst schwerem Geläuf im Olympiastadion Montreal sollte das aber das einzig Zählbare der Polen bleiben.

Im Gegenteil, konnte nach dem Aufmachen der Polen, die unbedingt den Ausgleich brauchten, Reinhard Häfner mit seinem Tor zum 3:1 in der 84. Minute den Deckel draufmachen. Auf den Sieg in diesem Spiel und damit auf die Goldmedaille im Fußball für die DDR, die ohnehin in den 1970er Jahren ihre stärkste Phase im Fußball hatte.

Somit reihte sich die DDR ein in die Liste der Olympiasieger im Fußball – und bleibt bis zum heutigen Tage die einzige deutsche Auswahl, der das gelang.





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