FC Barcelona — Standard Lüttich 2:1, Finale Europokal der Pokalsieger 1982

12. Mai 1982, 110.000 Zuschauer im Camp Nou in Barcelona, Schiedsrichter Walter Eschweiler.

FC Barcelona

Urruti – Alesanco – Gerardo, Migueli, Manolo – Tente, Esteban Vigo, Josep Moratalla – Allan Simonsen, Quini, Francisco Carrasco

Trainer: Udo Lattek

Standard Lüttich

Michel Preud’homme – Walter Meeuws – Eric Gerets, Theo Poel, Gerard Plessers – Guy Vandersmissen, Jos Daerden, Arie Haan, René Botteron – Simon Tahamata, Benny Wendt

Trainer: Raymond Goethals

Karten

Gelb für Migueli (Barcelona)
Gelb für Wendt, Meeuws, Haan (Lüttich)
Rot für Meeuws (88., Lüttich)

Tore

0:1 Vandersmissen (8.)
1:1 Simonsen (45.)
2:1 Quini (63.)

Die Story des Spiels

Der Europapokal der Pokalsieger war lange Zeit in der Wertigkeit höher angesiedelt als der UEFA-Pokal, schließlich spielten hier auch echte Titelgewinner mit und nicht nur Zweit- oder Drittplatzierte einer Meisterschaft. Dieses Standing drückte sich im Finale auch darin aus, dass das Camp Nou mit 110.000 Zuschauern bis zum Bersten gefüllt war. Keine leichte Aufgabe für den deutschen Schiedsrichter Walter Eschweiler, denn der ausrichtende Besitzer dieses Stadions, der FC Barcelona, war zufällig auch einer der beiden Teilnehmer an diesem Finale.

Den Weg dahin hatte der FC Barcelona als spanischer Pokalsieger von 1981 relativ leicht gemacht. Erst im Halbfinale wurde er erstmals richtig gefordert. Bis dahin hatte er jeweils in Hin- und Rückspiel 4 Tore gegen seine Gegner erzielt, aber selbst weniger Tore zugelassen. So gewann man insgesamt 4:1 gegen Trakia Plovdiv aus Bulgarien in der 1. Runde, gegen Dukla Prag aus der damaligen CSSR mit ebenfalls mit 4:1 und gegen einen weiteren Ostclub, nämlich Lok Leipzig, mit 4:2 im Viertelfinale.

Im Halbfinale wurde es für die Katalanen dann schon deutlich schwieriger, dennoch setzte man sich durch. Im Hinspiel in London trennte man sich 1:1, zu Hause gewann man knapp gegen die damals sehr starken Tottenham Hotspur mit 1:0 und zog so ins Finale im eigenen Stadion ein. Die Engländer hatten ihrerseits zuvor im Viertelfinale den bundesdeutschen Vertreter Eintracht Frankfurt ebenso knapp mit 3:2 nach 180 Minuten bezwungen. Sie verloren 2:1 in Frankfurt, nachdem sie zuvor 2:0 gegen die Eintracht zu Hause gewonnen hatten.

Die Belgier von Standard Lüttich hatten in der 1. Runde quasi ein Freilos. Die Underdogs vom FC Floriana aus Malta wurden in Hin- und Rückspiel mit 12:1 bezwungen. In Runde 2 ging es dann auch gegen einen Ostclub, doch Vasas Budapest wurde mit 4:1 aus dem Weg geräumt. In Runde 3 traf man auf den FC Porto, gegen den man in beiden Spielen nicht verlor und insgesamt 4:2 bezwang. Das Halbfinale wartete dann mit dem damals starken Sowjet-Team von Dinamo Tiflis auf. Beide Spiele gewann Standard Lüttich jedoch mit 1:0, sodass auch sie die Tickets für das Finale in Barcelona buchten.

Hitziger Kampf im Camp Nou

Ganz so eindeutig, wie es aus heutiger Sicht wäre, war die Favoritenrolle vor dem Anstoß dieses Finales nicht verteilt. Wer eine Sportwette hätte abschließen wollen, hätte auch durchaus auf Standard Lüttich als kommenden Sieger setzen mögen. Die Belgier kamen mit der frisch errungenen belgischen Landesmeisterschaft in dieses Finale, welches für sie auch einen guten Anfang nahm. Vandersmissen brachte die Gäste schon nach 8 Minuten nach einer schönen Freistoß-Finte in Führung. Von einer echten Überlegenheit der Spanier war auch danach keine Spur.

Es musste schon ein Fehler des Lüttich-Torhüters Michel Preud’homme herhalten, um den Ausgleich für den FC Barcelona zu ermöglichen. Er flog nach einer Freistoß-Flanke der Spanier am Ball vorbei, der kleine Däne Allan Simonsen, der sonst nie ein Kopfballtor erzielt hätte, musste nur noch einnicken und Sekunden vor der Pause war das eine kalte Dusche für die Belgier.

In der zweiten Halbzeit wurde die Partie immer nickliger, der deutsche Schiedsrichter Walter Eschweiler machte nicht immer den souveränsten Eindruck. Tiefpunkt dieser nicht gelungenen Spielleitung war die Entstehung des 2:1 für den FC Barcelona. Nachdem Eschweiler den Spaniern einen Freistoß etwa 20 Meter vor dem Tor von Standard Lüttich zugesprochen hatte, waren die Belgier damit beschäftigt, noch über diese Entscheidung zu diskutieren. Die Spanier nutzten diese Verwirrung, führten einen schnellen Freistoß aus, während die Belgier noch gar nicht aufs Spiel respektive den Ball achteten. Mühelos erzielte der FC Barcelona das Führungstor, obwohl Eschweiler noch gar nicht gepfiffen hatte, um den Ball freizugeben. Das muss er zwar nicht zwangsläufig, ist bei derartigen Freistößen so nah am Tor aber eigentlich üblich.

Die Gemüter der Belgier kochten über, doch Eschweiler gab das Tor zum 2:1 für den FC Barcelona. Alle wütenden Angriffe von Standard Lüttich wurden nicht mehr belohnt, kurz vor Schluss vor Meeuws dann noch die Nerven und beschimpfte Walter Eschweiler, wofür er mit der Roten Karte vom Platz musste. Lüttich gelang kein Tor mehr, knapp und denkbar undankbar verlor man dieses Finale in der Höhle des Löwen, während der FC Barcelona den Europapokal der Pokalsieger zum zweiten Mal in seiner Geschichte gewann.





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