Hansa Rostock — Eintracht Frankfurt 2:1, Bundesliga 1991/1992

Samstag, 16. Mai 1992, 25.000 Zuschauer im Ostseestadion in Rostock, 34. Spieltag der Bundesliga, Schiedsrichter Alfons Berg.

Hansa Rostock

Daniel Hoffmann, Gernot Alms, Axel Schulz, Frantisek Straka, Jens Wahl, Stefan Böger, Jens Dowe, Juri Schlünz, Michael Spies, Hilmar Weilandt, Florian Weichert

Eingewechselt: Heiko März, Thomas Lässig.

Trainer Erich Rutemöller.

Eintracht Frankfurt

Uli Stein, Uwe Bindewald, Manfred Binz, Dietmar Roth, Uwe Bein, Ralf Falkenmayer, Andreas Möller, Frank Möller, Ralf Weber, Axel Kruse, Anthony Yeboah.

Eingewechselt: Edgar Schmitt, Lothar Sippel.

Trainer Dragoslav Stepanovic.

Tore

1:0 Dowe (65.)
1:1 Kruse (67.)
2:1 Böger (89.)

Die Story des Spiels

Ein Spiel, das in die Annalen der Bundesliga einging. Eintracht Frankfurt mit seinem Dream Team mit Uwe Bein, Anthony Yeboah, mit Axel Kruse und Andreas Möller auf dem Weg zur ersten Meisterschaft seit 1960, zum ersten Meistertitel überhaupt in der Bundesliga. So sah es lange Zeit in der Saison aus, als die Eintracht nicht nur erfolgreich spielte, sondern auch wunderschön. Herbstmeister wurde sie auch – und stand doch am Ende mit leeren Händen da.

Vor dem letzten Spieltag waren gleich drei Teams punktgleich gewesen, alle standen bei 50:24 Punkten:

  • Eintracht Frankfurt mit +36 Toren
  • VfB Stuttgart mit +29 Toren
  • Borussia Dortmund mit +18 Toren

Somit war klar: im Prinzip würde ein Auswärtssieg bei Hansa Rostock zur Meisterschaft reichen, wenn der VfB Stuttgart nicht extrem hoch gewinnen sollte. Offenbar nahmen die Frankfurter die Partie aber ein wenig auf die leichte Schulter. Von gewissen Gelagen am Abend zu vor war später die Rede. Außerdem täuschte der herrlich anzusehende Fußball über die Verhältnisse in der Kabine hinweg. Die Mannschaft war heillos zerstritten, insbesondere Andreas Möller und Uli Stein verband eine große Abneigung.

Zudem hatten die Rostocker ihrerseits bei nur einem Punkt Rückstand auf einen Nichtabstiegsplatz noch die Chance auf den Klassenerhalt. Die Norddeutschen würden jedenfalls die Punkte nicht kampflos herschenken. Und so entwickelte sich auch eine umkämpfte Partie, in der erst in der zweiten Halbzeit je ein Tor fiel.

Und genau bei jenem Spielstand von 1:1 hätte die Eintracht eigentlich einen Elfmeter erhalten müssen. Doch die Pfeife von Alfons Berg blieb stumm, was jener schon kurz nach Abpfiff bereute.

„Ich hätte pfeifen müssen.“

So bewertete Alfons Berg die Situation, als Ralf Weber in der 75. Minute im Strafraum von Hansa Rostock zu Fall kam – für die Eintracht leider erst nach dem Spiel. Es kam, wie es kommen musste. Den Rostocker gelang in der 89. Minute der Siegtreffer durch Stefan Böger. Die Eintracht verlor. Meister wurde der VfB Stuttgart, der seinerseits erst kurz vor Schluss den Siegtreffer durch Guido Buchwald bei Bayer Leverkusen erzielte. Den Rostocker nutzte ihr Sieg ebenso wenig – sie stiegen wegen eines fehlenden Punktes aus der Bundesliga ab.

Legendär wurden die Worte von Eintrachts Trainer „Stepi“ Stepanovic, der seine Spieler und die Fans mit den Worten „Lebbe gehd weida“ trösten wollte, vor allem aber wohl sich selbst. Und so ging dieses 1:2 von Eintracht Frankfurt bei Hansa Rostock – hier live und in Farbe zu sehen – als der schwärzeste Nachmittag der Eintracht mindestens seit dem Kriege in ihre Geschichte ein.

Als Favorit in den letzten Spieltag – und doch gestürzt

Nicht einmal Vizemeister wurde die Eintracht in dieser Saison, in der sie an 19 von 38 Spieltagen die Tabelle der 1. Bundesliga angeführt hatte. Immerhin ein Trost bleibt – Sportwetten wird damals noch keiner der Beteiligten oder der Fans ausgefüllt haben, zumindest nicht in den deutschen Grenzen. Doch für die Eintracht bleibt das Erlebnis dieses Spiels traumatisch – selbst inzwischen ein Vierteljahrhundert später, als es sich so im Ostseestadion zutrug.





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